Ü50: 4:3 in der Scharfschen Schlucht

Tore: 1:1 Kaufmann, 2:1 Heinze, 3:1 Woller, 4:1 Heinze

Die Stimmung in der Kabine war bestens. Der Schlusspfiff war keine fünf Minuten verhallt, da rutschte schon eine Kiste kaltes Astra über den Boden. Natürlich hatte keiner was dagegen. Gejohle allenthalben. Torjäger Heinze, die erste Flasche schon am Hals, erzählte bereits zum dritten Mal, wie er den Harburger Keeper beim 2:1 und die gesamte Abwehr beim 4:1 vernascht hatte, verschwieg gleichwohl nonchalant, wie er freistehend vorm Tor am Pfosten vorbei ballerte und damit den möglichen Doppelschlag zum 3:1 verpasste. Derweil klopften sich Verteidiger Urbschat und Verteidiger Mezele ob ihres brillanten Stehvermögens an diesem Samstagnachmittag ständig gegenseitig auf die nackten Schultern. Cisco lachte anerkennend, Coach Hedtke nickte zufrieden, und Leichti war stolz, dass die zahlreich im Training einstudierten Spielzüge gezündet hatten. Nur Wolli knurrte ein wenig in sein verschwitztes Trikot, als er noch mal seinen fulminanten, aber leider erfolglosen Alleingang in der zweiten Halbzeit erläutern sollte. „Ein Stürmer darf nicht denken“, meinte unsere Nummer zehn nur schmallippig. Das wäre in dieser Situation aber vielleicht ganz hilfreich gewesen: sich vorher zu überlegen, ob man die Kugel, so frei vor der Kiste, nun unbedingt mit dem Außenrist ins kurze Eck schlenzen muss. 

Nun, diese eine Chance vertan, aber dafür die andere zum 3:1-Halbzeitstand genutzt: Woller war da, wo ein Stürmer sein muss, drückte das Ding über die Linie – und damit endgültig der Partie unseren Stempel auf. Denn dass wir auf dem herrlichen Geläuf in der Scharfschen Schlucht mit so einer klaren Führung in die Pause gehen, hatte sich zunächst nicht angedeutet. Es waren nur wenige Minuten gespielt, da lag das Leder schon nach einer unglücklichen Verkettung der Umstände in unserem Netz. Aber zum Glück war das frühe 0:1 kein Fundowner, sondern ein Wachmacher. Die Truppe merkte plötzlich, dass die Gastgeber zwar stark nach vorn spielten, doch hinten netterweise Schwächen zeigten. Und die wurden trefflich ausgenutzt. Allen voran von Mathias Heinze. Er wirbelte sich wieder unnachahmlich durch die Harburger Reihen. Legte perfekt den Ball Jo Kaufmann in den Fuß, der cool zum wichtigen 1:1 vollstreckte. Lieferte beim eigenen 2:1 Kollege Woller eigentlich schon die Vorlage, wie man ein Solo mit Sternchen abschließt. Und ließ, nach einer hübschen Gabbert-Leicht-Kombi, die Gegner beim 4:1 ganz locker ins Leere laufen.

Bei diesem Stand hätte es dann eigentlich bleiben müssen, zumal nach Seife auch unser zweiter Aushilfslibero Zuchti den Abwehrverbund 1a organisiert und Schlussmann Martinet den Ball im Griff hatte. Doch zwei Standardsituationen – ein gut getretener Freistoß und eine Kopfballstaffette nach Ecke – sorgten kurz vor Schluss noch für ein unvermutet knappes Ergebnis. Das aber nichts an folgender Erkenntnis ändert: Glinde gewann verdient, zeigte ein gutes Spiel, viel Laufbereitschaft und Zweikampfstärke – und gab sich in weiten Phasen so konzentriert, dass man sogar gänzlich das Meckern vergaß. So darf’s weitergehen. Nix dagegen. Und darauf ein Astra.

Siegten in der Scharfschen Schlucht: Michael Martinet, Thomas Mezele, Achim Urbschat, Dirk Seifert, Reinhold Zucht, Jörn Hedtke, Francisco Zitzmann, Andreas Leicht, Joachim Kaufmann, Mathias Heinze, Frank Woller, Frank Gabbert, Kai Voss