Ü50 Germania Schnelsen - Glinde / Sportgerichtsverhandlung

Das Urteil des Sportgerichts (s.u.) ist rechtskräftig . Germania Schnelsen hat keine Berufung beantragt. Mit viel Glück, Verstand und einem starken Auftritt des Schiedsrichters zieht die Ü50 trotz schwacher sportlicher Leistung ins Pokal-Viertelfinale ein. 

Die teilnehmenden Mannschaften:

TSV Glinde, Hamburger SV 1. , SC Victoria, Hamburger SV 2. , SCVM/Altengamme ( alle Verbandsliga ) 

ETSV Hamburg, Tonndorf-Lohe , Hemdingen-Bilsen ( alle Landesliga )

Gespielt wird das Viertelfinale laut Rahmenterminkalender am Wochenende 09.-11. März 2018 ( noch nicht verbindlich!)

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Wer den sportlichen Bericht zum Achtelfinal-Pokalspiel von „Chefredakteur“  Andreas Leicht noch einmal lesen möchte und das (un)sportliche Verhalten von Germania Schnelsen nach Spielende ( bitte hier klicken ) .

Nun stand also die „Verlängerung“  vor dem Sportgericht an.

Es war klar, dass die Chancen  für  einen erfolgreichen  Protest gering waren, denn der TSV Glinde musste beweisen, dass ein nicht spielberechtigter  Spieler  von Germania Schnelsen eingesetzt  wurde...

Bevor es aber dazu kam, war Geduld angesagt, denn die Vorverhandlung verzögerte sich. Ca. 20 Mitbürger mit Migrationshintergrund und das nordische Schiedsrichtergespann lieferten sich mit dem Sportgericht offenbar ein hitziges Gefecht. Nach der Verhandlung verließen einige Spieler wutentbrannt den Verhandlungsraum und einer, dem ich nicht im Dunkeln begegnen möchte, schlug heftig mit der Faust gegen die Wand. Es war glücklicherweise keine Rigipswand.

Jetzt mit 30 Minuten Verspätung stand also unsere Verhandlung, die letzte von mehreren an diesem Abend, an. Sie sollte genauso unterhaltsam werden, wie die vorherige, daher  ist dieser Bericht etwas ausfühlicher:

Die Akteure:

§  Das Sportgericht mit 6 versierten Funktionären.

§  Der Schiedsrichter Hans-Jürgen H. (76 Jahre), früherer Verbandsliga-Schiedsrichter und  Assistenz-Schiedsrichter  in der 2.Bundesliga .

§  Von Germania Schnelsen der  Vertreter vom Vertreter des Vereinsvertreters und der Mannschaftsführer; nicht erschienen war der Spieler  Afif K. (Nr. 4 laut Spielbericht) . Er konnte – nicht unerwartet - aus Termingründen nicht an der Verhandlung teilnehmen und ließ sich entschuldigen.

§  Vom TSV Glinde der  Vereinsvertreter und Mannschaftsverantwortliche  Frank G. ( Sportgerichtserfahren mit fundierten Kenntnissen der Spielordnung, der beruflich bedingt über ausgeprägte Recherchetechniken verfügt ) und statt des auf Kuba in „Havanna“ badenden Mannschaftsführers Frank W. , der rhetorisch starke Achim U, als sein Stellvertreter.

Zu Beginn der Verhandlung verlas der Sportrichter  Christian K. das Protestschreiben:

Protest Pokalspiel TuS Germania Schnelsen 1.Sen – TSV Glinde 2.Sen

Spiel-Nr. 130015022 /Identitäts- und Spielberechtigungsprüfung des Spielers mit der Nr. 4 von TuS

Germania Schnelsen / Verstoß gegen § 6 und § 33 der Spielordnung

Sehr geehrte Damen und Herren,

der TSV Glinde legt Protest gegen die Wertung des o.a. Spiels ein und beantragt eine Sportgerichtsverhandlung.

Begründung

Der Spieler mit der Nr. 4 von Germania Schnelsen erschien mehreren Spielern des TSV Glinde altersmäßig nicht spielberechtigt für die Ü50. Die Prüfung des Online-Spielberichts in der Halbzeitpause ergab, dass es sich bei dem Spieler mit der Nr. 4 angeblich um  Afif K. , geb. am 03.11.1951 ( 66 Jahre ! ) handeln soll. Der Spieler mit der Nr. 4 war überragend und  erzielte auch das Tor zum 2:1 Endstand.

Nach dem Spielende baten der Mannschaftsverantwortliche und der Offizielle vom TSV Glinde den Schiedsrichter darum, den Spielerpass des Spielers mit der Nr. 4 zu überprüfen und das Foto mit der spielenden Person abzugleichen. Es entstand eine hitzige Diskussion zwischen dem Schiedsrichter, den Vertretern des TSV Glinde und mehren Beteiligten von Germania Schnelsen. Der Aufforderung des Schiedsrichters zur Vorlage der Spielerpässe kam Germania Schnelsen nicht nach, weil die  Pässe angeblich nicht vor Ort waren. Es wurde von Seiten Germania Schnelsen auf den Online-Spielbericht hingewiesen und dann müssten keine Pässe mehr vorgelegt werden.

Während alle anderen Spieler sich an der Diskussion beteiligten hatte sich der Spieler mit der Nr. 4 bereits von der Sportanlage entfernt und konnte sich so nicht gegenüber dem Schiedsrichter ausweisen. Der Schiedsrichter schlug vor, dass Germania Schnelsen zur Klärung eine Kopie des Spielerpasses von Afif K. an den TSV Glinde sendet. Der Verantwortliche von Germania Schnelsen   sagte das zunächst zu, gab aber an, dass es einige Zeit dauern könnte, weil man sich erst einmal auf das Punktspiel am Wochenende vorbereiten wollte.

Der TSV Glinde legt daher formgerecht Protest ein und bittet das Sportgericht festzustellen, wer mit der Nr. 4 von Germania Schnelsen am Spiel teilgenommen hat und ob dieser Spieler spielberechtigt gewesen ist. Der Spieler mit der Nr. 4 ist ca. 45 Jahre alt,  185-190 cm groß, von kräftiger Statur mit dunklen, kurzen gewellten Haaren und ein südländischer Typ.     

Mit sportlichen Grüßen

Frank Gabbert

Abteilungsleiter

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1:0 für Glinde

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Das Sportgericht  verwies  auf die  Beweispflicht  seitens TSV Glinde und  monierte  im Laufe der  Verhandlung, dass  der TSV Glinde  aufgrund  Bestimmungen  der  Spielordnung  vor Spielbeginn die  Spieberechtigungen hätte prüfen müssen und auch keine Bilder von dem Spieler mit der Nr. 4  vorweisen konnte.

1:1 

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Germania Schnelsen unterzog  dem Spieler  Afif K. einer  „Verjüngungskur“.  Der Spielerpass mit dem Geburtsjahr  1951 wurde vorgelegt. Ebenso die Kopie eines algerisches  Passdokumentes, dass Afif K. mit dem Geburtsjahr 1959 auswies. Diesen Fehler hatte man bisher nie bemerkt. Aus dem 66-jährigen  wurde so ein 58-jähriger  Jüngling.  Man könne verstehen, dass der TSV Glinde deshalb argwöhnisch geworden ist, aber dieses Versehen erklärt das Missverständnis, so der Vertreter von Germania Schnelsen. Trotzdem war Afif K. in dem Spiel spielberechtigt. Der Nachweis war erbracht.

1: 2 für  Schnelsen

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Das Sportgericht „beschlagnahmte“ daraufhin den fehlerhaften Spielerpass und entzog  Afif K. mit sofortiger  Wirkung die Spielerlaubnis .  Dieser muss mit den richtigen Angaben eine neue Spielberechtigung beantragen, wenn er wieder Fußball spielen will.

Es bleibt beim 1:2 für Schnelsen, obwohl man feststellen konnte, dass einige Herren des Sportgerichts nun Bauchweh bekommen haben. Die Ungereimtheiten mehrten sich doch bedenklich, doch die Beweislage war dünn.

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Der Schiedsrichter H. trug den Sachverhalt vor und  wurde vom Sportgericht gebeten, sich das Porträtfoto von Afif K. auf den Passdokumenten anzusehen. Das Foto war schon einige Jahre alt und war von schlechter Qualität. Der Schiedsrichter konnte bei diesen Bildern nicht  eindeutig erkennen, ob es sich um den Spieler mit der Nr. 4 gehandelt hat. Mit 50-60% würde er es ausschließen, weil die Haare auf dem Foto „schütter“ sind und eine Stirnglatze andeuten, aber mit diesem Bild möchte er sich nicht festlegen.

Frank G. und  Achim U.. sahen sich das Foto ebenfalls an und gaben an, dass es sich zu 100% nicht um den Spieler mit der Nr. 4 gehandelt hat.

Ausschlaggebend ist aber die  Aussage des Schiedsrichters und  das war wohl der Siegtreffer zum 1:3 für Schnelsen. Der Protest konnte bei dieser Beweislage nur  abgelehnt werden,  dass war allen Beteiligten klar  und  die Vertreter von Germania lehnten sich zufrieden zurück. Die Taktik von Germania schien aufzugehen.

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Jetzt zog Frank G. den „Joker“ und  bat das Sportgericht darum ein Video anzusehen, dass Afif K. in einem Interview des deutsch-algerischen Kulturzentrums bei einem Fußballturnier zeigt. Das Sportgericht lehnte  es ab, das Video von dem USB-Stick des TSV Glinde in das Netzwerk des HFV einzulesen ( Virusgefahr).  Ein versierter Beisitzer des Sportgerichts konnte aber nach der Quellenangabe das Video auf seinem „Tablet“ zügig im World Wide Web bei Youtube finden ( Das „Netz“ vergisst nie oder zumindest selten). Nachdem sich das Sportgericht davon überzeugt hatte, dass es sich bei der Person im Video um Afif K. handelt, der auf dem Passdokument  abgebildet war, sollte sich der Schiedsrichter  Afif K. in Sportkleidung und in voller korpulenter Ganzkörperpose in HD-Qualität ansehen.

Auf die Frage des Sportrichters, ob er nun bestätigen kann, ob es sich bei Afif K. um den Spieler mit der Nr. 4 gehandelt hat, sagte Schiedsrichter H.: Ich kann zweifelsfrei bestätigen, dass Afif K. nicht die Nr.4 von Germania Schnelsen war und bin ganz sicher, dass er nicht der Torschütze zum 2:1 war. Außerdem wurde dieser Mann in diesem Pokalspiel nicht eingesetzt.

Das war der „linke Haken“ , den wir gebraucht haben und  der traf Germania Schnelsen  direkt auf das „Glaskinn“.

Hätte das Sportgericht einen „Buffer“  gehabt, hätten ihn wohl alle sofort gedrückt. Das „Bauchweh“ war nun sicher weg , die notwendige Beweislage dar, um auch die „richtige“ Entscheidung treffen zu können, denn Recht haben und Recht bekommen sind bekanntlich verschiedene Dinge. Da ist das Sportgericht manchmal auch in einem Dilemma.

Während sich der Mannschaftführer von Germania Schnelsen nicht mehr von dem Niederschlag  erholte,  „japste“ der Vertreter des Vertreters vom Vereinsvertreter nach Luft und stammelte noch: Afif hat aber gespielt, dann muss das Trikot mit der Nr. 4 verwechselt worden sein.

Der Sportrichter erwiderte: „Sie können aber nicht sagen, wer  das Trikot mit der Nr. 4 trug“  und schloss die Beweisaufnahme.

Das Sportgericht verwies alle Beteiligten kurz  des Raumes, um sich zu beraten. Es dauerte keine Minute, dann ging es weiter und der Sportrichter verkündete das Urteil:

Dem Protest des TSV Glinde wird stattgegeben. Das Pokalspiel wird zu Gunsten des  TSV Glinde mit 3:0 umgewertet. Die Protestgebühr wird erstattet.

Germania Schnelsen wird wegen Einsatz eines nicht spielberechtigten Spielers mit einer Ordnungsstrafe von 50€  belegt und trägt zusätzlich die Verfahrenskosten.

Innerhalb von 2 Tagen kann Germania Schnelsen form- und fristgerecht  eine Berufung vor dem Verbandsgericht beantragen.

Das wollte der Vertreter des Vertreters vom Vereinsvertreter auch tun, wie er verärgert verkündete. Er ließ sich dann vom Sportgericht erklären, was mit form- und fristgerecht  gemeint ist, da er sich damit nicht auskennt.

Fazit:

Die Hürde für einen erfolgreichen Protest war extrem hoch und nahezu aussichtslos. Ohne den Videobeweis und dem souveränen Auftreten eines betagten, aber sehr vitalen Schiedsrichters, wäre Germania Schnelsen mit der Manipulation durchgekommen. Man muss auch mal Glück haben, obwohl wir uns sportlich dumm angestellt haben.

Jetzt stehen die „Germanisten“  aus Schnelsen vor einer  noch höheren Hürde, denn jetzt sind sie in der Beweispflicht. Sie müssen also jemanden aus dem Hut zaubern, der die Nr. 4 gewesen ist und  eine Spielberechtigung hat. Nur  dann, und wenn die Form und die Frist eingehalten wird, kommt es zu einer  Berufungsverhandlung. In der Berufungsverhandlung müsste dann der  Schiedsrichter  zweifelsfrei bestätigen, dass es sich bei dieser spielberechtigten  Person um  den  Spieler mit der  Nr. 4 gehandelt hat.  

Wir können dem weiteren Verlauf  wohl gelassen entgegen sehen.

Warum werden eigentlich solche  Verhandlungen nicht  gefilmt und  im  Nachmittags-Fernsehprogramm bei SAT 1 …gezeigt. Sie  wären unterhaltsamer als  so manche „Richterserien“.  Die Verhandlung, die vor unserer stattfand, hätte es vermutlich sogar ins  Abendprogramm geschafft.

Frank G. und  Achim U.   ließen die genüssliche Abendveranstaltung  mit einem schönen Glas „Duckstein“ vom Fass ausklingen. smiley