Ü50 raus! 0:1 im Pokal gegen HSV

Das Spiel war auch in der Umkleide noch nicht vorbei. Immer wieder wurden diese fünf wilden Minuten kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit diskutiert. Mit jedem Bier, mit jeder Mische versuchten die Beteiligten noch detaillierter die beiden Szenen zu erklären, die zum Einzug ins Pokalhalbfinale gereicht hätten – wenn der Ball im Tor gelandet wäre. Doch das tat er eben nicht. Und so nutzten die 1. Senioren des HSV im weiteren Verlauf ihre einzige Chance in diesem Viertelfinale, brachten ihre 1:0-Führung über die Zeit und gaben den ausgeschiedenen Glinder Supersenioren reichlich Gesprächsstoff für die Kabine.

Dort saß Kollege Heinze kopfschüttelnd auf der Umkleidebank. „Den muss man einfach machen“, klagte der oft so treffsichere Zeitgenosse über die große Möglichkeit Nummer eins – und schilderte selbstkritisch, warum der schulmäßige Angriff über Leichtis langes Leder in Scheckers Lauf und dessen perfekten Pass auf Heinze mutterseelenallein am Elfmeterpunkt nicht das angemessene Ende fand: „Ich wollte den Ball stoppen und in Ruhe versenken. Doch das Ding sprang mir etwas zu weit vom Fuß. Ich musste einen langen Schritt machen, um noch zum Schuss zu kommen. Leider nicht die optimale Position, und so rauschte die Kugel vorbei.“ Als Entschädigung wurde von den mitfühlenden Mannschaftskameraden natürlich sogleich ein Kasten Bier und Nachschub für das beliebte Mischgetränk der Oldies gefordert. Aber auch Verständnis geäußert: „Das ist mir schon zehnmal passiert“, spendete Ältestenrat Wilkens Trost – mit einem Fakt, der allerdings auch nicht ganz der Wahrheit entsprach.

Im Spiel hatte Heinze nur ganz kurz gehadert, drei Minuten später mit Wut im Bauch den Ball vorm gegnerischen Sechzehner erspitzelt und flugs auf Mario weitergeleitet. Und dem bot sich plötzlich die große Möglichkeit Nummer zwei. Doch sein strammer Spannstoß aus dreizehn Metern, der normalerweise den Weg ins Netz gefunden hätte, wurde vom HSV-Keeper brillant pariert.

Wieder nicht die Führung, die vollkommen verdient gewesen wäre. Denn unsere Truppe zeigte in diesem Spiel mehr Willen zum Sieg. Und sie besaß mehr Stärke, spielerisch wie kämpferisch. Die Abwehr, von Aushilfslibero Hedtke bestens organisiert, stand. Das Mittelfeld, gestärkt durch die Ü40-Kräfte Diercks und Tesch (danke fürs Kommen), arbeitete fleißig, selbst der Ausfall vom zerrungsgeplagten Cisco wurde irgendwie kompensiert, und der Sturm sorgte bei den Gästeverteidigern für Vollbeschäftigung. Was Zählbares sprang leider nicht heraus, und als die zwei Hundertprozentigen kamen, belohnten wir uns nicht für unseren engagierten Auftritt.

Das Glück, was uns fehlte, hatte dann der HSV. Als der gute Mann mit der Nummer 15 den Ball in unserem Strafraum bekam, ihn so clever abschirmte, sich so gekonnt drehte, wussten alle, das gleich das Schreckliche passiert: ein Schuss vorbei an Keeper Klein und mitten ins Herz des TSV. Zwar bliesen Nicos Mannen postwendend zur Aufholjagd, kam Cisco, obschon verletzt, nochmal auf den Platz, um leider diesen kurze Zeit später wieder verlassen zu müssen, feuerte der trotz des schauerlichen Wetters (acht Grad über Null, Wind und Regen) zahlreiche erschienene Anhang fleißig an, doch das 1:1 wollte nicht gelingen. Auch Zuchti nicht, dessen lehrbuchhaft angesetzter Kopfball in der Nachspielzeit über die Latte flog.

Schade, der Mann mit dem fünfzig Jahre alten Stirnband hätte sich ein Denkmal gesetzt, der Ausgleich wäre verdient und in der Verlängerung womöglich unserer Wille der Schlüssel zum Sieg gewesen. Hätte, hätte, Viererkette. Die Glinder Pokalgeschichte in dieser Saison ging leider Gottes anders aus.  
 
Hätten weiter kommen müssen: Thomas Klein, Achim Urbschat, Jörn Hedtke, Rainer Lorenz, Francisco Zitzmann, Guido Behlau, Jan Diercks, Jörn Wilkens, Mathias Heinze, Andreas Leicht, Mario Scheck, Dirk Tesch, Thomas Mezele, Dirk Seiffert, Reinhold Zucht, Jürgen Richter und Coach Nico Scheck