3:2 – Ü55 dreht Spiel bei Atlantik

Tore: 0:1, 0:2, 1:2 Wilkens, 2:2 Wilkens, 3:2 Hedtke

Da muss schon eine Menge passiert sein, dass der sonst so liebe Leichti seinem Schlussmann während des Spiels plötzlich wuchtig in den Allerwertesten tritt. Massive Fehlgriffe, mieses Stellungsspiel, haltbare Gegentore? Nichts dergleichen, Glindes Keeper Thomas Klein hatte einen Sahnetag erwischt und uns den 3:2 (0:2)-Sieg bei Atlantik 97 mit zahlreichen Spitzenparaden gerettet. Und als er Mitte der zweiten Halbzeit den Ball, den er Zehntelsekunden zuvor gekonnt mit einem Bein abgewehrt hatte, aber der dann dennoch drehend-trudelnd ins Netz zu fallen drohte, mit einer spektakulären Handbewegung über die Kiste lenkte, wusste Leichti seine Erleichterung und Anerkennung nichts anders auszudrücken: Mit seinem starken linken Fuß und unterstützt von einem Urschrei malträtierte er dem am Boden liegenden TSV-Torwart gepflegt das Hinterteil. Der schaute kurz verdutzt, aber verstand sogleich die ungewöhnliche Art des Lobes: Unser Klein ganz groß!

Ganz groß – das war auch dieser Sieg bei den gewohnt bissigen Supersenioren aus der ehemaligen Sowjetunion. Nach der ersten Hälfte, eine Trauervorstellung unserer Truppe, hingen die Köpfe der Glinder auf Halbmast. Es hatte aber auch gar nix gepasst, die Laufbereitschaft gefehlt, der Kampfgeist und die Zuordnung ebenso. Dazu kam ein tiefer, holpriger Echtrasen, der die vom Kunstrasen verwöhnten TSV-Kicker vor arge Probleme bei Ballannahme und Passgenauigkeit stellte und ein unverhofftes sonniges Frühlingswetterchen, das zu Beginn für gefährliche Müdigkeit in den Beinchen sorgte. Cisco, an diesem Tag beim Segeberger Cowboy- und Indianercasting im Einsatz, wurde schmerzlich vermisst, Torjäger Gabbert, auf dem Weg in den Schnee, fehlte offensichtlich im Angriff.

Nur gut, dass Jürgen Richter nach der sehr spontanen Absage von Bernd Bertram noch spontaner eingesprungen war. Und noch besser, dass wir nach 35 Minuten bloß zwei Gegentore zugelassen hatten. Die Chance, das Spiel zu drehen, sie lebte. Und sie wurde genutzt. Frank Würfel, der das üble Gekicke von draußen miterlebt hatte, wechselte in der Pause kurzerhand in den Trainermodus, analysierte schonungslos die Schwächen und stellte die Weichen in die richtige Richtung: mehr laufen, mehr kämpfen, dichter an den Männern, schneller beim Nachrücken, vor allem: an den Sieg glauben! Tja, und dann wunderten sich die wieselflinken Russen, was selbstbewusste und willige Glinder so drauf haben, die Jörni-Festspiele begannen: Erst egalisierte der Wilkens Jörn, jeweils mit tatkräftiger Unterstützung der gegnerischen Verteidiger, das Ergebnis, und dann drückte der Hedtke Jörn, nachdem Leichti über links in bewährter Manier durchgestochen war, das Ding über die Linie.

3:2 – doch noch leuchteten 18 Minuten Spielzeit auf der Uhr des für die Klasse ungewohnt souveränen Schiedsrichters. Und Atlantik hatte mitnichten Interesse daran, jetzt sang- und klanglos unterzugehen. Eine Angriffswelle nach der anderen schwappte auf unseren Kasten. Aber die Abwehr hielt, und was durchbrach, machte unser großer Klein zunichte. Weil es im Gegenzug die Glinder versäumten, mit einem ihrer diversen aussichtsreichen Kontern alles klar zu machen, blieb die Partie bis zum Ende auf des Messers Schneide. Als schließlich der Schlusspfiff über die weite Anlage am Marie-Henning-Weg schrillte, war der Jubel groß. So groß wie die Freude auf die nächste wegweisende Partie: Am 23. April kommt Blankenese nach Glinde. Nach ihrem 2:1-Erfolg in Finkenwerder sind sie jetzt unser erster Konkurrent in Sachen Meisterschaft. Sie haben das Hinspiel gewonnen, sie brauchen einen zweiten Sieg gegen uns, doch am Ende werden wir die Nase vorn haben. Der liebe Leichti freut sich schon auf den nächsten Tritt!

Holten kräftig auf: Thomas Klein, Thomas Mezele, Achim Urbschat, Detlef Sievers, Henrik Schöning, Jörn Hedtke, Andreas Leicht, Jörn Wilkens und Jürgen Richter. Feuerten kräftig an: Frank Würfel, Jürgen Kampe, Frank Woller und Hauke Neuendorf.